Japans Toilettenkultur ist eine der fortschrittlichsten der Welt. Gemeinsame Ausstattungsmerkmale wie Sitzheizung, integrierte Bidets, Haartrockner, Desodorierungssysteme und Schallschutzvorrichtungen zur Dämpfung natürlicher Geräusche überraschen die Einheimischen nicht mehr. Japanische Toiletten können mit dem iPhone der Sanitärwelt verglichen werden und können mehrere Zehntausend Dollar kosten.

Benutzer haben die Möglichkeit, den Druck, die Richtung und die Temperatur des Wassers im Einbau-Bidet unabhängig zu regulieren sowie über spezielle Tasten auf der Fernbedienung eine Express-Urinanalyse durchzuführen und den Blutdruck zu messen. Genau wie im Innenraum teurer Autos sind Toiletten aus Japan in der Lage, sich Einstellungen zu merken und je nach Benutzer anzuwenden.

Das Problem bei japanischen High-Tech-Toiletten war die Fülle an Symbolen und Knöpfen auf den Fernbedienungen, die ausländische Touristen oft verwirrten. Im Vorfeld der Olympischen Spiele 2021 in Tokio hat die japanische Regierung Toilettenhersteller dazu verpflichtet, Symbole auf Fernbedienungen für intelligente Toiletten zu standardisieren.
In Japan sind jedoch neben fortschrittlichen Technologien auch einfachere Geräte erhalten geblieben – traditionelle Bodenschüsseln. Man findet sie häufig an öffentlichen Orten. Einige Toiletten verfügen sowohl über Toiletten im westlichen (WS) als auch im japanischen Stil (JS).

Touristen stehen vor einem Dilemma, wenn sie Toiletten im japanischen Stil benutzen. Es ist unmöglich, sich vollständig auf solche Toiletten zu setzen; man muss die „Adler“-Position einnehmen und zum Spülkasten blicken und nicht zur Tür, wie es in anderen Ländern üblich ist. Darüber informieren spezielle Schilder in den Toiletten.

Die traditionelle japanische Toilette, auch „Washiki“ genannt, hat die Form eines Pantoffels. Sein vorderer Teil, „Kinkakushi“ genannt, dient als Schutz vor Spritzern beim Spülen. Daher müssen Sie mit dem Gesicht nach vorne darauf sitzen. Dies ist sowohl auf Bequemlichkeit als auch auf kulturelle Traditionen zurückzuführen.

Der Orientalist Kulanov Alexander Evgenievich spricht in seinem Buch „The Other Side of Japan“ über die kulturellen Besonderheiten der Japaner, die mit der Tradition des Toilettengangs verbunden sind. Er zitiert die Worte eines japanischen Journalisten, der feststellt, dass sich eine Person auf der Toilette in einem verletzlichen Zustand befindet und im Gefahrenfall nicht widerstehen kann. Aber sie können dem Tod nicht ins Auge sehen. Deshalb sitzen Japaner lieber mit dem Gesicht zur Wand auf der Toilette, auch wenn dies eine weniger sichere Position bedeutet.